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Wiedererleben

Wohl jeder hat Momente in seinem Leben, an die er sich nur ungern erinnert. Sie lagern im eigenen Gemüt, sind Teil der eigenen Geschichte. Mitunter berührt eine aktuelle Begebenheit dieses Alte und verbundene Emotionen steigen auf. Schnell vertuschen wir sie zumeist, lenken uns ab und fallen oftmals innerlich.

Dieses Alte ist nicht erlöst. Etwas in diesem Geschehen ist nicht erkannt. Zumeist teilt der Verstand anhand solcher Szenen die Welt in Täter und Opfer.

Die Sportstunde (Geschichten zum Vorlesen Nr. 6)

Jahn war noch neu in der dritten Klasse der Grundschule und zudem schlaksig und unsicher. Es war die erste Unterrichtsstunde, in der Turnhalle lief Musik, alle gingen im großen Kreis in der Halle herum. Die Lehrerin forderte zu freien, tanzenden Bewegungen auf. Alle taten es. Jahn versuchte es für einige Schritte, doch fand sich nicht in der Stimmung zum Tanz. Wieder versuchte er es, gab es erneut auf und bewegte sich so weite Strecken gehend im Takt zur Musik.

Nach dem Ausklingen des Liedes bat die Lehrerin alle auf den Bänken Platz zu nehmen. «Einer von euch hat mir besonders gut gefallen», sagte sie und holte Jahn allein stehend vor die Klasse, die erwartungsvoll schaute. Die Lehrerin stellte die Musik an und bat ihn, der Klasse seinen Tanz zu zeigen. Jahn stand erstarrt mit rotem Kopf, unfähig eine Bewegung zu machen. Mit bestem Willen wollten die wenigen Tanzschritte, die er vollführt hatte, sich nicht erneut einstellen. Die Klasse schaute still. Es folgten Worte, die vom Nebel der Zeit umflossen sind, doch die Stille, die innere Beklemmung und dass er im Boden versinken wollte, als er wieder, allein, auf der Bank saß, hat sich ihm bis heute eingeprägt.

Jahre und Jahrzehnte vergingen und die Unsicherheit in ihm machte ihm zu schaffen. «Ich bin kein Tänzer» wurde zu einer seiner Überzeugungen.

Wenn er sich aus heutiger Erfahrung, innerem Selbstwert und Verbundenheit in das damalige Geschehen zurückversetzen könnte, wenn er es mit seinen Sinnen, seinem Körperempfinden, Fühlen und Denken erneut erleben könnte, würde er es möglicherweise so sehen, dass die Lehrerin ihn vorgeführt hatte, weil sie es nicht dulden mochte, dass einer ihrer Schüler ihren Aufforderungen nicht nachkommt. Er wäre möglicherweise milde und mitfühlend zu sich und würde sich eingestehen, dass er damals noch zu unsicher war, um vor den Mitschülern zu sich und zu seinem Verhalten zu stehen, da er dazugehören wollte. Und er würde erkennen, dass ihm damals niemand beigestanden hatte.

Wenn es ihm heute gelänge, es in dieser Sicht anzunehmen und sich selbst, der Lehrerin und den Mitschülern zu vergeben, könnte dieses alte Geschehen in ihm verklingen und heilen.

Wenn wir doch nur jemanden an unserer Seite hätten, der uns den Halt gibt, Altes zu ertragen! Licht würde in die inneren Räume gelangen.

PS: Zum Alten in uns: siehe auch Zitate (4) und (5).

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veröffentlicht am 13.9.2016, letzte Änderung am 13.9.2016 um 12:00 Uhr

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